Kommentar: Der Totschläger

von Chris Carter

Ich hatte gar nicht vor, dieses Buch zu lesen.

Im Pendlerzug nach Hause las es die Frau neben mir. Als ihre Haltestelle aufgerufen wurde, legte sie das Buch auf das Tischchen zwischen den Sitzen und liess es dort liegen. Ein anderer Passagier und ich machten sie darauf aufmerksam dass sie ihr Buch vergessen hatte, aber sie sagte: “Nein, das will ich nicht haben”, und drehte sich weg.

War das Buch so schlecht? Sie hatte bereits bis etwa zur Mitte gelesen. War es so schlimm dass sie nicht weiterlesen wollte? Dem musste ich auf den Grund gehen, also steckte ich das Buch ein.

Die Geschichte dreht sich um Detective Hunter und seinen Partner Garcia, die mit einem irren Serienmörder konfrontiert werden, der seine Opfer offenbar völlig zufällig auswählt und sie mit Hilfe von schrecklichen selbstgebauten Maschinen umbringt. Ich muss sagen, die Morde sind wirklich blutrünstig. Herr Carter muss eine ziemlich abstruse Fantasie besitzen um sich sowas auszudenken.

Gleichzeitig war die Spannung wirklich super. Ich musste einfach weiterlesen, um herauszubekommen wer hinter den Morden steckt.

Vielen Dank für die gute Unterhaltung an die Frau im Zug.

Kommentar: Ich, Eleanor Oliphant

von Gail Honeyman

Dieses Buch hat mir viel Vergnügen bereitet. Ich war auch lange in der Debitorenbuchhaltung, und ebenfalls eine zeitlang in London in einen mittelmässig bekannten Sänger verschossen. Manche Verhaltensweisen von Eleanor könnte man eins zu eins auch auf mich ummünzen – aber nicht alle. Dafür hat sie mich immer wieder an eine autistische Freundin erinnert, so dass ich ihre Ticks gar nicht so abwegig fand.

Erfrischend war auch, dass es nicht in eine typische Liebesgeschichte abgeglitten ist, sondern Freundschaft(en) im Vordergrund stehen, die aus der Einzelgängerin eine Frau mit Freundeskreis machen, auch wenn manche der Freundschaften durch reinen Zufall entstehen.

Das Ende hat mich überrascht, obwohl ich während des Lesens dachte, ich hätte den vollen Durchblick. Das gefiel mir ausgesprochen gut.

(Kaufen bei Amazon)

Kommentar: Der Marsianer – Rettet Mark Watney

von Andy Weir

Ein toller Science Fiction Roman, der ganz ohne Aliens auskommt, und dafür eine Menge echter, und fast echter Raumschiffe beinhaltet. Mark Watney strandet auf dem Mars nach einer missglückten Mission. Was nun? Der Wissenschaftler denkt sich alle möglichen Pläne aus, und setzt sie mit seinen begrenzten Möglichkeiten um.

Andy Weir hat sich hier eine MENGE völlig abgefahrener Lösungen für Marks Probleme ausgedacht, und das alles auch noch genau ausgerechnet. Und frei nach Murphys Gesetz geht natürlich immer, wenn Mark glaubt eine gute Lösung erdacht zu haben, alles schief.

Ich habe bis zur letzten Seite nicht gewusst, ob Mark am Ende tatsächlich erfolgreich gerettet wird oder nicht, und ich verrate es auch nicht. Sehr lesenswert, ich habe das Buch in (für mich) Rekordzeit gelesen und war auf jeder Bahnfahrt mental auf dem Mars.

Und als nächstes lerne ich morsen!

Bei Amazon kaufen

Kommentar: Der Flammenträger

von Bernard Cornwell

Die Zeit der wilden Kriege scheint vorbei zu sein, denn mittlerweile ist nur noch Northumbrien in der Hand der Nordmänner, und obendrein ist dessen König Uhtreds Schwiegersohn. Das war nach den vielen Kriegen und Schlachten erstmal eine gewöhnungsbedürftige Premisse für ein Uhtred Buch, denn normalerweise steht ja immer das Schicksal von England auf dem Spiel, weil die Wikinger von allen Seiten ins Land einfallen.

Daher fand ich es diesmal ganz spannend, was Uhtred wohl in friedlichen Zeiten macht – seinen Cousin aus Bebbanburg werfen, natürlich. Da habe ich lange drauf gewartet, und nach seinem gescheiterten Versuch vor ein paar Büchern habe ich mich richtig auf diesen neuen Versuch gefreut.

Doch auch Fans von Cornwells durchdachten Kampfszenen und plötzlichen Handlungswendungen kommen nicht zu kurz, denn der Frieden ist natürlich doch in Gefahr, und natürlich fällt es wie immer Uhtred zu, alles noch zum Guten zu wenden.

Kommentar: Fish Heads

von Leonard Schonberg

Dies ist eine unterhaltsamer Science Fiction Roman, der zur Abwechslung nicht in der Zukunft, sondern in der Gegenwart spielt. Ein abgelegenes Eiland in den Marschall-Inseln birgt ein Geheimnis, dessen Entdeckung eine Sensation sein könnte – und vielleicht die nationale Sicherheit bedroht.

Haben die Waserstoffbombentests im Bikini-Atoll etwas mit der Entdeckung zu tun? Und wenn ja, was bedeutet das für die Inselbewohner? Und für die Regierung der USA? Dazu gibt es noch eine kleine Liebesgeschichte, die aber von der Handlung überhaupt nicht ablenkt.

Das Ende der Geschichte hätte ich mir etwas ausführlicher gewünscht, aber ich habe mich trotzdem sehr gut amüsiert.

Dies ist übrigens mein Eintrag für die Marschall-Inseln in meiner Südsee-Kreuzfahrt.

(Kaufen bei Amazon)

Kommentar: Twenty Reasons not to Garden

von Luke Ruggenberg

Wer ist ein Gärtner? Braucht man dazu einen weitläufigen Park? Einen großen Garten? Ein Gemüsebeet? Oder reicht auch eine Tomate auf dem Balkon? Laut Luke Ruggenberg sind wir alle Gärtner, sobald wir das Schnittlauchtöpfchen aus dem Supermarkt auf die Fensterbank stellen. Er hat auch das Prinzip eines Transporters erkannt und erklärt uns genau, welche Fahrzeuge für einen Gärtner als Laster in Frage kommen.

Mit unheimlich viel Humor nimmt Luke Ruggenberg uns mit auf eine Exkursion in die Welt der Hobby- und Berufsgärtner und führt im Stil einer Erzählung, die sich direkt an den Leser wendet, durch verschiedene Kapitel, vom Transporter bis hin zur Versorgung von typischen Verletzungen.

Ich habe bei fast jedem Kapitel gedacht: “Das stimmt, das ist soooo wahr!” und musste mehrmals laut lachen. Der Autor beobachtet sich selbst und seine Mitgärtner genau, und führt (mir zumindest) vor Augen, was alle Gärtner irgendwie gemeinsam haben.

Es wären 5 Sterne geworden, den Abzug gab es für das schlechte eBook-Design. Man sollte wirklich nicht jedesmal, wenn man eine Schreibpause einlegt, die Schriftart wechseln. Wer darüber hinwegsehen kann, wird sich köstlich amüsieren.

Kommentar: Post von Karlheinz

von Hasnain Kazim

Hasnain Kazim kommt aus Hollern-Twielenfleth. Ich aus Grünendeich. Die beiden Dörfer gehören zur selben Gemeinde und liegen 3 Kilometer auseinander. In der Schule wurde er Hansi genannt – ein Spitzname, den ihm soweit ich weiss deutsche Freunde seiner Eltern verpasst hatten, weil Hasnain so schlecht über die Lippen ging. Schon damals hat er sich engagiert, ich kann mich an eine Rede erinnern die er in der Aula vor der gesamten Schule hielt, auch damals ging es schon um Ausländerfeindlichkeit.

Mittlerweile ist Hansi – Verzeihung, Hasnain – Auslandskorrespondent für den Spiegel, war in Pakistan und in der Türkei tätig und musste aufgrund seiner Erdogan-kritischen Berichterstattung aus Sicherheitsgründen nach Wien umsiedeln. Von dort schreibt er gegen den Rassismus, gegen Islamismus, gegen Menschenfeindlichkeit.

Nebenbei schreibt er auch noch Bücher, die zumindest in seiner niedersächsischen Heimat weggehen wie warme Semmeln. (“Plötzlich Pakistan”, “Krisenstaat Türkei”)

Post von Karlheinz ist eine Sammlung von Hasspost, die Hasnain täglich sowohl von Deutschen als auch von Ausländern erhält, und seine Antworten darauf. Einiges postet er auf seinem Facebook-Account, doch er bekommt weit mehr dieser Briefe, als er dort öffentlich macht. Wer ihm ohne jegliches Niveau schreibt, bekommt manchmal auch Antworten in gleicher Manier: auf “Fick Dich, Kazim!” antwortet er auch schonmal mit “Fick Dich selber.”

Doch das ist selten. Oft schreibt er herrliche Antworten mit viel Witz und Humor, und schafft es ab und zu sogar seine Widersacher zum Nachdenken, und manchmal auch zu einer Entschuldigung zu bringen. Trotz der Lacher, die mir die Lektüre bereitet hat, macht es mir auch Sorgen, dass Mitmenschen mit ausländischen Wurzeln solche Angriffe ertragen müssen, und ich war entsetzt was sich manche Absender verbal herausnehmen. Hasnain stellt sie mit diesem Buch alle an den Pranger.

Es ist nicht nur ein lustiges, sondern auch ein wichtiges Buch.

Kommentar: Murphy – Rache ist süß

von Nicole Gozdek

Murphy’s Gesetz besagt, das alles, was schiefgehn kann auch schiefgehen wird. Als lebendes Sprichwort springt Murphy – unsichtbar für die Menschen – von Ort zu Ort und sorgt dafür, dass das auch so bleibt. Doch dann gerät seine Welt aus den Fugen und die Verwicklungen nehmen ihren Lauf.

Dieses Buch ist an manchen Stellen so urkomisch dass ich Tränen gelacht habe! Vor allem Friedrich hat es mir angetan (den müsst ihr aber selber kennenlernen, mehr verrate ich nicht).

Nicole hat mit ihrem Buch eine Idee verarbeitet, die mir so noch nie untergekommen ist: was, wenn Sprichwörter real wären? Ein Unglück kommt selten allein, Rache ist süß, Liebe macht blind – was, wenn das alles von Personen bewirkt wird, die wir nicht sehen oder begreifen können? Und was passiert, wenn plötzlich nicht mehr alles nach Plan läuft?

Trotz aller Komik bleibt das Buch aber durchweg spannend und ich konnte es nur schwer aus der Hand legen.

Es ist nicht das erste mal, dass ich dieser Autorin 5 Sterne vergebe – Nicole Gozdek hat’s einfach drauf.

Kommentar: Russendisko

von Wladimir Kaminer

Da ich selbst ein notorischer Auswanderer bin, hat mich der Klappentext sofort angesprochen. In ein neues Land aufbrechen, ohne zu wissen was einen dort erwartet, ist mutig. Abenteuerliche Erlebnisse sind da eigentlich vorprogrammiert.

Kaminer fasst in diesem Büchlein Episoden aus seinem Einwanderer-Leben zusammen, die ihm im Laufe der Zeit so passiert sind. Die Geschichten haben keinen roten Faden und sind manchmal etwas zusammenhangslos, aber nichtsdestotrotz unterhaltsam.

Vor allem die namensgebende Russendisko hat mir gut gefallen, auf so eine Idee hätte ich mal im Ausland kommen sollen…

Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Von dem gleichnamigen Film der auf dem Buch beruht habe ich erst hinterher erfahren. Da es ein Spielfilm ist und kein Episodenfilm, gehe ich davon aus dass man noch eine Handlung gestrickt hat, aber ich sehe ihn mir bei Gelegenheit mal an. Ich kann mir vorstellen dass er lustig sein könnte.

Wie man einen Krimi verkauft

Ich habe natürlich keine Ahnung wie man einen Krimi verkauft, aber mir fällt immer wieder auf, dass es unheimlich viele Krimis gibt deren Cover sich sehr ähneln.

Wäre ich Schriftsteller, würde ich denken, ein individuelles Cover das sich von der Masse abhebt, wäre doch viel besser, oder nicht? Alleine schon, damit man schon von weitem sehen kann, DAS ist das Buch!

Offenbar finden Verlage aber, dass das bei bestimmten Krimis nicht so sein muss, und komischerweise funktioniert das auch. Wenn ich von weitem ein weisses Cover mit angedunkelten Rändern und einem roten Blickfang (Blut, Kinderschuh, Feder, Schrift…) in der Mitte erspähe, dann weiss ich sofort: “Aha, spannender Krimi”, obwohl ich noch nicht einmal den Titel richtig gelesen habe.

Ihr wollt Beweise? Aber gerne doch.