Richard III. und die historischen Games of Thrones

Richard III., der bucklige Gloster in Shakespeares berühmten Königsdramen, der angeblich seinen Bruder im Weinfass ertränkte, seine Frau vergiftete, seine Neffen im Tower erwürgen ließ und schließlich ein schlimmes Ende auf dem Schlachtfeld nahm, hatte in der Nachwelt eine schlechte Presse.

Der Stuttgarter Historiker Andreas Kalckhoff rückt dieses Bild zurecht. Vor dem Hintergrund des farbigen und turbulenten Spätmittelalters erleben wir in seinem Buch ein Vexierspiel aus Dichtung und Wahrheit, aus dem allmählich ein Mensch hervortritt, der auf der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit balanciert: Richard von Gloucester, Lord of the North, König von England.

Der Autor führt drastisch vor Augen, wie Politik zur Zeit der englischen Rosenkriege – den historischen Games of Thrones – funktionierte. Und warum Richard, als er an die Macht kam, in dieser gewalttätigen Welt keine Wahl hatte.

Im Jahre 2012 wurde in Leicester auf dem Sozialamtsparkplatz, wo früher einmal das Franziskanerkloster stand, ein spektakulärer Fund gemacht: das vollständig erhaltenen Skelett Richards III., das man lange für verschollen gehalten hatte. Gründliche Untersuchungen der Gebeine mit modernsten osteologischen Methoden lieferten eine Menge neuer spannender Erkenntnisse zu seinem Leben und Tod. In einem feierlichen Akt wurde der letzte König aus dem Hause Plantagenets in der Kathedrale von Leicester neu bestattet. Ein Nachtrag widmet sich der Entdeckungsgeschichte und den Forschungsergebnisse dieser archäologischen Sensation.

Für die Neuauflage wurde das 1980 erstmals erschienene Buch vollständig überarbeitet und nach dem neuesten Forschungsstand berichtigt und ergänzt.