Kategorie: Rezensionen

Rezension: Schrank am Strand

von Heike Karen Gürtler

Ich muss zugeben, ich habe das Buch gekauft ohne den Klappentext zu lesen. Ich fand den Titel einfach so gut, dass ich es haben wollte, komme was da wolle.

Wieso Schrank am Strand? Was macht der da? Ist das eine Umschreibung für einen Strandkorb? Klingt nicht so. Ist da was drin? Und wenn ja, was?

Das Buch ist aus der Ich-Perspektive erzählt, und fängt damit an dass die Protagonistin, deren Namen wir erst später erfahren, eine Panikattacke bekommt. Ich kenne Panikattacken aus eigener Erfahrung, gerade solche in Menschenmassen. Die Empfindungen, die man dabei hat, lassen sich nur schwer beschreiben finde ich, und die Autorin hat es brilliant gemeistert.

Zuerst ist es die Geschichte einer Frau, die nach Erholung und Enstspannung sucht, doch bald passieren seltsame Dinge. Mir gefiel besonders gut, wie die Protagonistin mit den Vorkommnissen umgeht, denn ihr erscheinen sie zwar etwas sonderbar, aber sie ist so sehr mit sich selbst und ihren Gefühlen beschäftigt, dass sie Dinge wie den Schrank oder ihre Zufallsbekanntschaft mit Lasse einfach so hinnimmt ohne sie zu hinterfragen.

Was mir ebenfalls sehr gut gefiel waren die Wortkreationen die Heike Karen Gürtler in die Geschichte einbaut, um die Gefühle wiederzugeben. Nicht nur treffen die Worte das jeweilige Gefühl sehr genau, sondern es führte mir auch wieder die Besonderheit der deutschen Sprache vor Augen, in der man einfach so neue Wörter erfinden kann die es vorher noch nicht gab, und trotzdem versteht jeder was damit gemeint ist.

Auch die Beschreibung der nicht weiter benannten Nordseeinsel hat mir mal wieder so richtig Lust auf Urlaub am Meer gemacht. Ich habe ein paar Jahre an der Nordsee gewohnt, und hatte richtig Heimweh während der beschriebenen Strandspaziergänge.

Ich habe das Buch an zwei Abenden förmlich verschlungen, und war fast ein bisschen traurig als es zuende war. Aber auch das Ende hat mir sehr gut gefallen.

Rezension: Im Namen der Heiligen

von Ellis Peter

Die Geschichte hat mir richtig gut gefallen. Sie erzählt, wie die Mönche von Shrewsbury an die Reliquien der heiligen St Winifred kamen.

Bruder Cadfael, ein gebürtiger Walise, reist im Jahre 1137 mit seinem Prior Robert und einer Handvoll Mönchen nach Gwytherin in Wales, um dort die Gebeine von St Winifred zu finden und sie mit nach England zu nehmen. Doch die Einwohner von Gwytherin sind nicht begeistert, und als ein Mord geschieht, beginnt Bruder Cadfael zu ermitteln.

Das Dorf Gwytherin in Wales gibt es wirklich, und es gab dort auch eine Heilige namens Winifred. Die dortige Kirche ist ihr geweiht. Im zwölften Jahrhundert haben Benediktinermönche aus dem Kloster in Shrewsbury tatsächlich ihre Gebeine als Reliquien nach Shrewsbury geholt. Das Buch basiert also zum Teil auf einer wahren Geschichte.

Mir gefallen historische Romane die wahre Begebenheiten ausschmücken und damit spielen wie es vielleicht gewesen sein könnte. Den Reliquien in Shrewsbury werde ich jedenfalls nicht mehr so ganz trauen…

Hörbuch: 

Das einzige was mich in der Englischen Version gestört hat war, dass der Sprecher alle weiblichen Charaktere mit atemloser, weinerlicher Stimme vorgelesen hat. Der Walisische Akzent klingt zwar von Natur aus etwas weinerlich, aber als Sioned einmal etwas im Sinne von „Das sehe ich nicht ein, ich werde nicht ruhen bis ich meinen Willen bekomme!“ von sich gibt, stelle ich mir das eigentlich mit aufstampfendem Fuss und wütender Stimme vor. Stattdessen klingt sie, als hätte sie Asthma und fängt gleich an zu heulen. Ansonsten ein unterhaltsamer Krimi.

Rezension: Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

5stars

von Rachel Joyce

Dies war meine Wahl für die Literaturschock-Monatsrunde zum Thema „Fortbewegungsmittel“.

Das Buch lag schon eine ganze Weile auf meinem SUB und ich hatte irgendwie gemischte Gefühle. Obwohl mich das Titelbild und der Klappentext irgendwie gereizt haben war ich mir nicht sicher ob ich die Geschichte eines älteren Mannes auf irgendeiner persönlichen Mission interessant finden würde. Ich habe halt bezweifelt ob ich mich in Harold einfühlen könnte.

Die Geschichte hat mich jedoch total überrascht. Es gab keine großen Überraschungen oder dramatische Wendungen, sondern die Geschichte plätschert so dahin und dreht sich um Harolds Wanderung und den Haushalt seiner Frau. Das klingt jetzt total langweilig, aber ich konnte mir nicht helfen, ich musste die nächste Seite umblättern, und noch eine, und noch eine… Ich habe mich dabei überhaupt nicht gelangweilt, und bevor ich mich versah, hatte ich 300 Seiten am Stück gelesen. Hätte ich am nächsten Tag nicht so früh aufstehen müssen, hätte ich das ganze Buch in einem Rutsch gelesen.

Besonders mochte ich wie schwierig es für Harold und seine Frau ist ihre Gefühle in Worte zu fassen, obwohl sie schon so lange zusammen sind. Das passiert uns im wahren Leben doch auch – man will etwas ausdrücken, sagt dann aber etwas anderes, und plötzlich entgleitet einem die Situation und es kommt nicht so rüber wie man wollte. Das Ende mochte ich auch, ich war wirklich zufrieden damit wie es zum Schluss alles zusammenkommt.

Die Fortsetzung werde ich allerdings nicht lesen, denn obwohl Queenie die ganze Zeit präsent ist, ist sie keine Hauptperson und spielt eigentlich nur eine ganz kleine Rolle. Es ist Harolds Geschichte, nicht Queenies, und sie löst sich wundervoll auf. Ich glaube nicht dass ich dasselbe noch einmal aus ihrer Sicht lesen möchte.

5 Sterne, weil ich es nicht aus der Hand legen konnte.

 

amazon-button

Rezension: Die sonderbare Buchhandlung des Mr Penumbra

5stars

von Robin Sloan

Dies ist so ein unterhaltsames Buch!

Es gab gleich mehrere Dinge die ich sofort ganz toll fand. Zum einen die Buchhandlung. Die Beschreibung war genau so, wie ich mir einen mysteriösen Buchladen vorstelle, der ein Geheimnis verbirgt. Ausserdem fand ich Bibliotheken die Leitern haben um die oberen Regale zu erreichen schon immer toll. Eine Leiter die gleich drei Stockwerke hoch geht verdreifacht die Großartigkeit natürlich.

Ich mochte auch Mr Penumbra selbst, er hat mich an einen älteren Herrn erinnert für den ich im Ausland mal gearbeitet habe.

Und dann ist da natürlich noch meine Namensvetterin, die cool, klug und schlagfertig ist. Das fand ich sehr schmeichelnd, denn sie war so wie ich gerne wäre wenn ich cool, klug und schlagfertig wäre.

Am allerbesten fand ich das Puzzle. Ich liebe Buchstaben und Typographien und geschriebene Wörter, deshalb war das genau mein Ding. Ich habe beim Lesen sogar Buchstabenkekse geknabbert, weil ich so ein Wörter-Nerd bin.

amazon-button

Rezension: Necropolis – London and its Dead

necropolis4stars

 

von Catharine Arnold

Warum fährt die U-Bahn der Picadilly Line so verrückte Kurven zwischen Knightsbridge und South Kensington?

Warum tragen wir in Trauer die Farbe schwarz?

Warum durfte King James nach dem Tod von Queen Elizabeth I tagelang die Stadt nicht betreten?

Solche und ähnliche Fragen werden in diesem Buch unterhaltsam und anschaulich beantwortet, und alle haben mit Beerdigungen zu tun. Als ehemaliger Friedhofsgärtner habe ich sozusagen ein „berufliches“ Interesse an Friedhöfen, aber auch allgemein und im besonderen interessieren mich Beerdigungen.

Und als jahrelange Wahl-Londonerin interessiert mich die Geschichte der Stadt natürlich auch. London ist so groß, und so alt, dass man eigentlich überall die Vergangenheit gleich unter den Füßen hat – im wahrsten Sinne des Wortes. Von den Hügelgräbern aus der Bronzezeit über die Massengräber der schwarzen Pest bis hin zur Beerdigung von Lady Di führt das Buch fundiert und informativ durch die Geschichte der Toten in London.

amazon-button

Rezension: Ausgezeichnete Morde

Herausgeber: Teresa Pütz

Unterhaltsame Geschichten, die ich eigentlich mit 4 Sternen belohnt hätte, wenn das ganze nicht wie ein Verkaufskatalog wirken würde.

Ich hätte die vielen “über diesen Autor” Seiten und die Hinweise auf ihre Bücher als nützliche (wenn auch Seitenfressende) Info durchgehen lassen, wenn sich nicht eine der Geschichten als reine Leseprobe des gleich darauf angepriesenen Romans entpuppt hätte, ohne Struktur und ohne Ende.

Eine Leseprobe ist nun mal beim besten Willen keine Kurzgeschichte, und ich habe mich davon etwas verarscht gefühlt. Dafür gibt es Punktabzug.

Rezension: Der Rithmatist

4stars

Wie wird man Magier, wenn man nicht zaubern kann? Mit diesem Problem kämpft Joel tagtäglich, denn nichts wünscht er sich sehnlicher, als ein Rithmatist, ein berühmter Kreidemagier, zu werden. Doch so sehr er sich auch bemüht, seine Kreidefiguren bleiben leblos – bis zu dem Tag, an dem plötzlich das Schicksal aller Rithmatisten auf Joels Schultern ruht. Einem Tag, an dem eine lange verborgene Gabe in ihm erwacht …


Anmerkung:
Ich habe die englische Originalfassung gelesen.

Ich liebe dieses Buch.

Ich mag Geometrie, also habe ich natürlich die Rithmatischen Kreise zwischen den Kapiteln förmlich aufgesogen.

Dann ist da der Gearpunk! Während einige Elemente wie die Uhrwerk-Züge sehr offensichtlich sind, gibt es auch ganz kleine Apparate die nur nebenher erwähnt werden, die der Welt aber ein ganz eigenes Flair geben.

Ich fand es auch sehr spannend, dass Joel sich damit zufriedengeben muss die Theorie hinter der Magie zu verstehen, ohne sie jedoch selbst anwenden zu können. Das ist mal ein neues Konzept für eine Geschichte die an einer Zauberschule spielt, und ich fand das sehr erfrischend.

amazon-button

Rezension: Die Flüsse von London

von Ben Aaronovitch

Peter Grant ist ein junger Polizist der Londoner Polizei, der gerade kurz vor der ersten Beförderung steht. Am Abend vor seinem großen Tag geschieht ein brutaler Mord vor der St Paul’s Cathedral. Peter und seine Kollegin Lesley May sollen nachts den Tatort bewachen.

Während der Nacht trifft Peter ein Gespenst, das sich als Nicholas Wallpenny vorstellt, und behauptet, den ganzen Mord beobachtet zu haben. Daraufhin wird Peter schleunigst der Abteilung der Polizei zugeteilt, die sich mit übernatürlichen Ermittlungen befasst.

Was ich an diesem Buch mochte war dass Peter nicht der Auserwählte ist, der Letzte Nachkomme, oder der einzige überlebende einer geheimen Rasse oder sowas. Seine Mutter ist gesund und munter, er hat kein auffälliges Geburtsmal und kann überhaupt keine Zaubertricks. Er ist ein durchschnittlicher Typ wie Du und ich, der jetzt plötzlich Latein aus alten Büchern lernen und mit Wassernymphen verhandeln muss, von denen er bis eben nicht einmal wusste dass es sie gibt.

Peter wird aber nicht schwuppdiwupp einfach mal so zum Zauberer. Stattdessen installiert er erstmal Wlan in der Garage und macht dauernd sein Handy kaputt, also ziemlich genauso wie Du und ich in seiner Situation.

Die Geschichte spielt in London, und da ich die Stadt gut kenne, habe ich viele Orte sofort wiedererkannt. Es gibt eine Reihe von sehr Britischen Referenzen, die Ausländern möglicherweise entgehen werden, aber nicht genug um den Lesefluss zu stören.

Beide Handlungsstränge werden am Schluss des Buches aufgelöst, man kann es also auch gut als STandalone lesen wenn man sich (noch) nicht auf die ganze Serie einlassen möchte.

 

Rezension: Sieben Leben

von Andreas Aschberg

Diese Kurzgeschichten aus dem bunten Berufsleben eines notorischen Quereinsteigers haben mich mehrmals herzlich zum Lachen gebracht.

Vor allem seine Chefs erkenne ich in meinem eigenen Lebenslauf wieder – der ein oder andere Abteilungsleiter oder Geschäftsführer die ich kenne hätten für Aschberg’s Figuren durchaus Modell stehen können.

Auch seine Kollegen zeichnet er so schön hin – jeder läuft zum Beispiel früher oder später so einer Versicherungs-Tamara über den Weg.

Am meisten mochte ich, dass er am Anfang seiner Jobs meist keine genaue Ahnung hat was er da eigentlich tut, sich davon aber nicht abhalten lässt es trotzdem einfach durchzuboxen. Von soviel Selbstvertrauen können die meisten Leute nur träumen, aber es zeigt auch auf dass man meistens viel mehr hinbekommen könnte wenn man sich nur nicht ins Bockshorn jagen lässt.

Ein schöner Zeitvertreib, und leider viel zu kurz!

Rezension: Das brennende Land

von Bernard Cornwell

Dies ist vielleicht das Beste Buch der Serie bisher.

Hauptsächlich, weil so viele Dinge die sich schon lange angebahnt haben, endlich zu einem Abschluss kommen. Ich habe beim Lesen mehrmal gedacht „Endlich passiert das-und-das!“

 

Gleichzeitig ist es voller Neuanfänge, neuer Allianzen und neuen Konflikten.

Uhtred’s Hauptquest Bebbanburg wiederzubekommen ist natürlich noch aktuell, wird aber – wie immer – durch andere Ereignisse in den Hintergrund gedrängt. Das ist übrigens kein Spoiler, denn wir wissen ja das diese Quest noch einige Bücher lang weitergeht.

Besondern mochte ich Edward, was mich ehrlich gesagt überrascht hat. Wenn man sieht was für ein unangenehmer Mensch sein Vater ist, und wie jung und zerbrechlich er immer beschrieben wird bis wir ihn tatsächlich treffen, hatte ich einen Schwächling erwartet, der keinesfalls einen Krieg anzetteln würde, und schon gar nicht gegen Dänen. Und er ist tatsächlich ein Schwächling, aber ich mochte dass ihn das nicht aufhält.

Und heilige Lotte, Alfred und seine Ränkeschmiederei schonwieder! Schon klar, was sonst – aber seinen neusten Plan habe ich nicht durchschaut bis es schon zu spät war. Ich glaube sogar Uhtred ist dahintergekommen bevor es bei mir klick machte.

Tolles Buch!