Kommentar: 97 Orchard – An Edible History of Five Immigrant Families in One New York Tenement

 

von Jane Ziegelman

Der Titel und der Klappentext versprechen kulinarische Geschichten von fünf verschiedenen Familien in einem New Yorker Mietshaus. Dabei handelt es sich um die Familien Glockner, Moore, Gumpertz, Rogarshevsky und Baldizzi. Sie sind Deutsche, Iren, Juden, Polen und Italiener.

Leider sind die Familien lediglich der Aufhänger für die Kapitel, in denen es hauptsächlich um die Immigrantengruppen und ihren kulinarischen Einfluss auf die New Yorker Gesellschaft geht. Über die Familien selbst erfährt man so gut wie nichts, wenn man von Kommentaren wie “Die Glockners könnten vielleicht auch in diesem Restaurant gegessen haben” absieht.

Was mir auch nicht gefiel waren die Zeitsprünge in den Kapiteln. Da wandert jemand 1860 ein, und vier Seiten weiter sind wir im Jahr 1924, nur um drei Seiten weiter wieder bei 1888 zu landen. Es ist wirklich nicht sehr strukturiert.

Sehr gut fand ich dagegen die vielen zeitgenössischen Rezepte, die man durchaus nachkochen kann. Und wenn man sich von der Erwartung loslöst, etwas über die Familien zu erfahren, ist es ein sehr aufschlussreiches Buch über den (kulinarischen) Einfluss der Masseneinwanderungen im New York des 19. Jahrhunderts.

Kommentar: Der Totschläger

von Chris Carter

Ich hatte gar nicht vor, dieses Buch zu lesen.

Im Pendlerzug nach Hause las es die Frau neben mir. Als ihre Haltestelle aufgerufen wurde, legte sie das Buch auf das Tischchen zwischen den Sitzen und liess es dort liegen. Ein anderer Passagier und ich machten sie darauf aufmerksam dass sie ihr Buch vergessen hatte, aber sie sagte: “Nein, das will ich nicht haben”, und drehte sich weg.

War das Buch so schlecht? Sie hatte bereits bis etwa zur Mitte gelesen. War es so schlimm dass sie nicht weiterlesen wollte? Dem musste ich auf den Grund gehen, also steckte ich das Buch ein.

Die Geschichte dreht sich um Detective Hunter und seinen Partner Garcia, die mit einem irren Serienmörder konfrontiert werden, der seine Opfer offenbar völlig zufällig auswählt und sie mit Hilfe von schrecklichen selbstgebauten Maschinen umbringt. Ich muss sagen, die Morde sind wirklich blutrünstig. Herr Carter muss eine ziemlich abstruse Fantasie besitzen um sich sowas auszudenken.

Gleichzeitig war die Spannung wirklich super. Ich musste einfach weiterlesen, um herauszubekommen wer hinter den Morden steckt.

Vielen Dank für die gute Unterhaltung an die Frau im Zug.

Kommentar: Ich, Eleanor Oliphant

von Gail Honeyman

Dieses Buch hat mir viel Vergnügen bereitet. Ich war auch lange in der Debitorenbuchhaltung, und ebenfalls eine zeitlang in London in einen mittelmässig bekannten Sänger verschossen. Manche Verhaltensweisen von Eleanor könnte man eins zu eins auch auf mich ummünzen – aber nicht alle. Dafür hat sie mich immer wieder an eine autistische Freundin erinnert, so dass ich ihre Ticks gar nicht so abwegig fand.

Erfrischend war auch, dass es nicht in eine typische Liebesgeschichte abgeglitten ist, sondern Freundschaft(en) im Vordergrund stehen, die aus der Einzelgängerin eine Frau mit Freundeskreis machen, auch wenn manche der Freundschaften durch reinen Zufall entstehen.

Das Ende hat mich überrascht, obwohl ich während des Lesens dachte, ich hätte den vollen Durchblick. Das gefiel mir ausgesprochen gut.

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Kommentar: Der Marsianer – Rettet Mark Watney

von Andy Weir

Ein toller Science Fiction Roman, der ganz ohne Aliens auskommt, und dafür eine Menge echter, und fast echter Raumschiffe beinhaltet. Mark Watney strandet auf dem Mars nach einer missglückten Mission. Was nun? Der Wissenschaftler denkt sich alle möglichen Pläne aus, und setzt sie mit seinen begrenzten Möglichkeiten um.

Andy Weir hat sich hier eine MENGE völlig abgefahrener Lösungen für Marks Probleme ausgedacht, und das alles auch noch genau ausgerechnet. Und frei nach Murphys Gesetz geht natürlich immer, wenn Mark glaubt eine gute Lösung erdacht zu haben, alles schief.

Ich habe bis zur letzten Seite nicht gewusst, ob Mark am Ende tatsächlich erfolgreich gerettet wird oder nicht, und ich verrate es auch nicht. Sehr lesenswert, ich habe das Buch in (für mich) Rekordzeit gelesen und war auf jeder Bahnfahrt mental auf dem Mars.

Und als nächstes lerne ich morsen!

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Kommentar: Der Flammenträger

von Bernard Cornwell

Die Zeit der wilden Kriege scheint vorbei zu sein, denn mittlerweile ist nur noch Northumbrien in der Hand der Nordmänner, und obendrein ist dessen König Uhtreds Schwiegersohn. Das war nach den vielen Kriegen und Schlachten erstmal eine gewöhnungsbedürftige Premisse für ein Uhtred Buch, denn normalerweise steht ja immer das Schicksal von England auf dem Spiel, weil die Wikinger von allen Seiten ins Land einfallen.

Daher fand ich es diesmal ganz spannend, was Uhtred wohl in friedlichen Zeiten macht – seinen Cousin aus Bebbanburg werfen, natürlich. Da habe ich lange drauf gewartet, und nach seinem gescheiterten Versuch vor ein paar Büchern habe ich mich richtig auf diesen neuen Versuch gefreut.

Doch auch Fans von Cornwells durchdachten Kampfszenen und plötzlichen Handlungswendungen kommen nicht zu kurz, denn der Frieden ist natürlich doch in Gefahr, und natürlich fällt es wie immer Uhtred zu, alles noch zum Guten zu wenden.