Kommentar: Fish Heads

von Leonard Schonberg

Dies ist eine unterhaltsamer Science Fiction Roman, der zur Abwechslung nicht in der Zukunft, sondern in der Gegenwart spielt. Ein abgelegenes Eiland in den Marschall-Inseln birgt ein Geheimnis, dessen Entdeckung eine Sensation sein könnte – und vielleicht die nationale Sicherheit bedroht.

Haben die Waserstoffbombentests im Bikini-Atoll etwas mit der Entdeckung zu tun? Und wenn ja, was bedeutet das für die Inselbewohner? Und für die Regierung der USA? Dazu gibt es noch eine kleine Liebesgeschichte, die aber von der Handlung überhaupt nicht ablenkt.

Das Ende der Geschichte hätte ich mir etwas ausführlicher gewünscht, aber ich habe mich trotzdem sehr gut amüsiert.

Dies ist übrigens mein Eintrag für die Marschall-Inseln in meiner Südsee-Kreuzfahrt.

Kommentar: Twenty Reasons not to Garden

von Luke Ruggenberg

Wer ist ein Gärtner? Braucht man dazu einen weitläufigen Park? Einen großen Garten? Ein Gemüsebeet? Oder reicht auch eine Tomate auf dem Balkon? Laut Luke Ruggenberg sind wir alle Gärtner, sobald wir das Schnittlauchtöpfchen aus dem Supermarkt auf die Fensterbank stellen. Er hat auch das Prinzip eines Transporters erkannt und erklärt uns genau, welche Fahrzeuge für einen Gärtner als Laster in Frage kommen.

Mit unheimlich viel Humor nimmt Luke Ruggenberg uns mit auf eine Exkursion in die Welt der Hobby- und Berufsgärtner und führt im Stil einer Erzählung, die sich direkt an den Leser wendet, durch verschiedene Kapitel, vom Transporter bis hin zur Versorgung von typischen Verletzungen.

Ich habe bei fast jedem Kapitel gedacht: “Das stimmt, das ist soooo wahr!” und musste mehrmals laut lachen. Der Autor beobachtet sich selbst und seine Mitgärtner genau, und führt (mir zumindest) vor Augen, was alle Gärtner irgendwie gemeinsam haben.

Es wären 5 Sterne geworden, den Abzug gab es für das schlechte eBook-Design. Man sollte wirklich nicht jedesmal, wenn man eine Schreibpause einlegt, die Schriftart wechseln. Wer darüber hinwegsehen kann, wird sich köstlich amüsieren.

Kommentar: Post von Karlheinz

von Hasnain Kazim

Hasnain Kazim kommt aus Hollern-Twielenfleth. Ich aus Grünendeich. Die beiden Dörfer gehören zur selben Gemeinde und liegen 3 Kilometer auseinander. In der Schule wurde er Hansi genannt – ein Spitzname, den ihm soweit ich weiss deutsche Freunde seiner Eltern verpasst hatten, weil Hasnain so schlecht über die Lippen ging. Schon damals hat er sich engagiert, ich kann mich an eine Rede erinnern die er in der Aula vor der gesamten Schule hielt, auch damals ging es schon um Ausländerfeindlichkeit.

Mittlerweile ist Hansi – Verzeihung, Hasnain – Auslandskorrespondent für den Spiegel, war in Pakistan und in der Türkei tätig und musste aufgrund seiner Erdogan-kritischen Berichterstattung aus Sicherheitsgründen nach Wien umsiedeln. Von dort schreibt er gegen den Rassismus, gegen Islamismus, gegen Menschenfeindlichkeit.

Nebenbei schreibt er auch noch Bücher, die zumindest in seiner niedersächsischen Heimat weggehen wie warme Semmeln. (“Plötzlich Pakistan”, “Krisenstaat Türkei”)

Post von Karlheinz ist eine Sammlung von Hasspost, die Hasnain täglich sowohl von Deutschen als auch von Ausländern erhält, und seine Antworten darauf. Einiges postet er auf seinem Facebook-Account, doch er bekommt weit mehr dieser Briefe, als er dort öffentlich macht. Wer ihm ohne jegliches Niveau schreibt, bekommt manchmal auch Antworten in gleicher Manier: auf “Fick Dich, Kazim!” antwortet er auch schonmal mit “Fick Dich selber.”

Doch das ist selten. Oft schreibt er herrliche Antworten mit viel Witz und Humor, und schafft es ab und zu sogar seine Widersacher zum Nachdenken, und manchmal auch zu einer Entschuldigung zu bringen. Trotz der Lacher, die mir die Lektüre bereitet hat, macht es mir auch Sorgen, dass Mitmenschen mit ausländischen Wurzeln solche Angriffe ertragen müssen, und ich war entsetzt was sich manche Absender verbal herausnehmen. Hasnain stellt sie mit diesem Buch alle an den Pranger.

Es ist nicht nur ein lustiges, sondern auch ein wichtiges Buch.

Kommentar: Murphy – Rache ist süß

von Nicole Gozdek

Murphy’s Gesetz besagt, das alles, was schiefgehn kann auch schiefgehen wird. Als lebendes Sprichwort springt Murphy – unsichtbar für die Menschen – von Ort zu Ort und sorgt dafür, dass das auch so bleibt. Doch dann gerät seine Welt aus den Fugen und die Verwicklungen nehmen ihren Lauf.

Dieses Buch ist an manchen Stellen so urkomisch dass ich Tränen gelacht habe! Vor allem Friedrich hat es mir angetan (den müsst ihr aber selber kennenlernen, mehr verrate ich nicht).

Nicole hat mit ihrem Buch eine Idee verarbeitet, die mir so noch nie untergekommen ist: was, wenn Sprichwörter real wären? Ein Unglück kommt selten allein, Rache ist süß, Liebe macht blind – was, wenn das alles von Personen bewirkt wird, die wir nicht sehen oder begreifen können? Und was passiert, wenn plötzlich nicht mehr alles nach Plan läuft?

Trotz aller Komik bleibt das Buch aber durchweg spannend und ich konnte es nur schwer aus der Hand legen.

Es ist nicht das erste mal, dass ich dieser Autorin 5 Sterne vergebe – Nicole Gozdek hat’s einfach drauf.

Kommentar: Russendisko

von Wladimir Kaminer

Da ich selbst ein notorischer Auswanderer bin, hat mich der Klappentext sofort angesprochen. In ein neues Land aufbrechen, ohne zu wissen was einen dort erwartet, ist mutig. Abenteuerliche Erlebnisse sind da eigentlich vorprogrammiert.

Kaminer fasst in diesem Büchlein Episoden aus seinem Einwanderer-Leben zusammen, die ihm im Laufe der Zeit so passiert sind. Die Geschichten haben keinen roten Faden und sind manchmal etwas zusammenhangslos, aber nichtsdestotrotz unterhaltsam.

Vor allem die namensgebende Russendisko hat mir gut gefallen, auf so eine Idee hätte ich mal im Ausland kommen sollen…

Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Von dem gleichnamigen Film der auf dem Buch beruht habe ich erst hinterher erfahren. Da es ein Spielfilm ist und kein Episodenfilm, gehe ich davon aus dass man noch eine Handlung gestrickt hat, aber ich sehe ihn mir bei Gelegenheit mal an. Ich kann mir vorstellen dass er lustig sein könnte.

Kommentar: The Sailmaker’s Daughter

von Stephanie Johnson

Gleich vorweg: dieses Buch hat mir überhaupt nicht gefallen.

Dass es auf Fiji spielt ist eigentlich nur Nebensache, es hätte auch im Süden der USA oder in Indien spielen können. Überall eigentlich, wo im 19. Jahrhundert weiße Gutsbesitzer lebten, die mit ihren Angestellten nicht viel zu tun haben wollen. Wobei die Fijianer oder die importierten Inder eigentlich auch kaum eine Rolle spielen.

Der Schreibstil ist dennoch unterhaltsam, deshalb habe ich das Buch auch nicht abgebrochen sondern zu Ende gelesen. Es hat mich auch genug interessiert, dass ich mir auf Google Maps noch einmal die Inseln angesehen habe, um nachzuvollziehen wo wir gerade sind. Ich war nur zweimal auf Fiji, und kann wirklich nicht behaupten dass ich mich da auskenne.

Um zu erklären warum ich das Buch trotzdem doof fand, muss ich allerdings auf den Inhalt eingehen, deshalb folgt ein Spoiler:

Spoiler

Jede sexuelle Handlung im Buch, nein, sogar jede Handlung im Buch die irgendwie mit Geschlechtsteilen zu tun hat (selbst ohne Sex) wird von der 12-jährigen Protagonistin beobachtet. Egal ob die Oma einen Hefepilz hat und sich zwischen den Beinen kratzt, oder ob zwei Figuren nachts beim Schwimmen in einem See Sex haben, ob sich jemand die Geschlechtsteile wäscht, oder ob der Vater Sex mit einer fremden Frau hat. Die kleine Protagonistin ist IMMER in der Nähe und beobachtet alles genau.

Dieser vorpubertäre Voyerismus hat mich massiv gestört. Erstens weil es mir aufgestossen hat dass ein Kind sowas DAUERND mitbekommt, und zweitens weil es nicht nötig gewesen wäre. Das Buch ist in der Dritten Person geschrieben, die Erzählerin hätte diese Dinge also auch erzählen können OHNE dass das Kind danebensteht. Eigentlich hätte man diese ganzen Szenen auch komplett weglassen können. Ich weiss wirklich nicht was sich die Autorin dabei gedacht hat, aber ich fand’s total scheisse.

[collapse]

Und auch wenn es meinen Ansprüchen nicht genügt hat, zähle ich es erstmal als meinen Fiji-Eintrag für meine literarische Südsee-Kreuzfahrt.

Kommentar: Das Verschwinden der Adèle Bedeau

von Graeme M. Burnet

Dieses Buch ist mein Elsass-Beitrag für die literarische Tour de France. Es spielt in Saint Louis, an der Grenze zur Schweiz und zu Deutschland.

Eine Sache die mir aufgefallen war ist dass sich das Leben in Saint Louis immer in Richtung Frankreich orientiert: obwohl man fast nach Basel rüberspucken kann, fahren Clémence und ihre Freunde zum amüsieren ins 30 Kilometer entfernte Mulhouse, und Manfred sucht Abwechslung in Strassburg, obwohl er auch über die Grenze nach Freiburg fahren könnte. Das fühlte sich für mich typisch französisch an, obwohl der Autor Schotte ist.

Ungewöhnlich ist, dass der Polizeibeamte Georges Gorski erstmal überhaupt nicht in Erscheinung tritt. Stattdessen konzentriert sich die Geschichte auf Manfred Baumann und dessen Leben in Saint Louis. Überhaupt geht es nicht, wie sonst in einem Krimi, mit einer Leiche los, sondern wir begegnen Adèle ganz lebendig. Es gibt zwar auch eine Leiche, aber davon erfahren wir erst später und mit Adèle hat sie nicht so richtig was zu tun. Eigentlich ist es gar kein Krimi, aber irgendwie doch.

 

Kommentar: Frauen, Fische, Fjorde

von Anne Siegel

Die Geschichte der Frauen, die 1949 und in den folgenden Jahren zu Hunderten nach Island aufbrechen, war mir überhaupt nicht bekannt.  Die Schicksale der porträtierten Frauen (und einem Mann) sind in mancher Hinsicht jedes mal recht ähnlich: Krieg, Flucht, Hunger, Nachkriegswirren.

Doch sie sind auch unterschiedlich, so gibt es die vertriebene Ostpreussin genauso wie die gebürtige Lübeckerin, Frauen aus einfachen Verhältnissen ebenso wie die privilegierte Offizierstochter.

Was sie alle gemeinsam haben ist, dass sie in Island eine neue Heimat gefunden haben. Die meisten wollten nur ein Jahr bleiben, doch sie fanden Ehemänner und ein Zuhause, lernten die Sprache und gründeten Familien. Einige der Frauen erzählen ihre Geschichte in diesem Buch zum ersten Mal.

Ich fand es sehr spannend!

Kommentar: Hotline für besorgte Bürger

von Ali Can

Interkulturelle Kommunikation ist ein Schlagwort, dass mir vor allem in Stellenanzeigen immer wieder unterkommt. Doch was ist das eigentlich? Klar, wer in Japan Maschinenteile verkaufen will, sollte schon auf Japanisch verhandeln können. Doch welche Rolle spielt das ganze in unserer eigenen Gesellschaft, ausserhalb des Geschäftslebens?

Ali Can setzt sich mit Migration und Integration auseinander, und sucht das Gespräch da, wo viele Haltmachen: bei Pegida, mit AfD-Wählern und besorgten Bürgern. Wer nicht als rechts gelten will, distanziert sich von Ihnen, und Gespräche auf Augenhöhe sind schwierig.

Ali fährt in den Osten der Republik und trifft sich mit Pegida-Anhängern. Das Ergebnis überrascht ihn selbst und führt 2016 dazu dass er eine kostenlose Hotline einrichtet. Er bekommt Anrufe von besorgten Familienvätern, von AfD-Mitgliedern und von jungen Leuten, die sich mit ihren Sorgen und Ängsten vor Überfremdung, vor dem Islam und vor Terroristen auseinandersetzen. Es kommt zu interessanten Gesprächen. Ali verurteilt nicht und predigt nicht, sondern hört sich die Argumente an und sucht erstmal den kleinsten gemeinsamen Nenner, von dem aus man weiter gemeinsam diskutieren kann.

Ich habe einiges gelernt beim Lesen – nicht nur, was “solche” Leute so bewegt, sondern auch, wie man mit ihnen reden kann ohne sie gleich in die rechte Schublade zu stecken.

Kommentar: Die Magie der Namen

von Nicole Gozdek

Namen haben Macht, das wissen wir spätestens seit Ursula LeGuin’s Earthsea Saga. In Mirabortas haben sie sogar so viel Macht, dass sie ihre Träger von Grund auf verändern. Deshalb tragen Kinder auch keine Namen, sondern Nummern, bis ein Namensfinder ihnen am Ende der Schulzeit ihren wahren Namen verrät und damit auch gleichzeitig ihren Beruf, ihre Erscheinung und ihre Vergangenheit.

Das ganze Konzept der Namensmagie hat mich sofort fasziniert, denn ich habe selbst mehrere unterschiedliche Namen, die von unterschiedlichen Leuten benutzt werden. Jedes mal, wenn ich einen neuen Namen bekommen habe, habe ich mich auch ein Stück weit selbst neu erfunden.

Im Ausland trug ich z.B. einen ganz anderen Vor- und Nachnamen als zu meiner Schulzeit in Deutschland. Im nächsten Land bekam ich wieder einen neuen Namen, weil meine Kollegen Probleme mit der englischen Aussprache hatten. Ich fing sozusagen immer wieder ganz neu an – neuer Job, neue Kontakte, neue Sprache – und ein neuer Name, der noch ein ganz unbeschriebenes Blatt war. Sich selbst ganz neu definieren zu dürfen hat tatsächlich etwas magisches, und macht zumindest mir auch Spaß.

So habe ich ein Stück weit eine Art Namensmagie am eigenen Leib erfahren können, und habe deshalb ganz besonders mit Nr. 19 mitgefiebert. Was bedeutet sein neuer Name – und was für eine Person wird er werden?

Die Geschichte hat mich sehr gefesselt, und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.