Wo finde ich Bücher mit bestimmten Handlungsorten?

Wer vom Sofa aus auf Reisen gehen will, sollte lesen, keine Frage.

Man kann sich prima treiben lassen und von Buch zu Buch hopsen und einfach abwarten wohin es einen als nächstes verschlägt. Doch was, wenn man gerade von einem spannenden Ort gelesen hat, und mehr davon möchte? Oder der nächste Urlaub schon gebucht ist und man ein passendes Buch mitnehmen will?

Und wer sich, wie ich, auf eine bestimmte, vorher durchdachte Bücherreise begeben will, der braucht Informationen über den Handlungsort.

Wenn ich in Hamburg in einen Buchladen gehe und sage, ich möchte einen Krimi haben der an der Nordsee spielt, dann haben sie mit etwas Glück gleich einen ganzen Tisch mit passender Lektüre da. Doch leider werden die wenigsten Buchhändler aus dem Effeff ein Buch empfehlen können, das in Aserbaidschan oder Tuvalu spielt.

Wo also suchen?

LovelyBooks

Bei der deutschen Buch-Community Lovelybooks kann man nicht nur nach genauen Titeln, sondern auch nach Handlungsorten oder Listen suchen. Wenn man in die Suchmaske auf der Startseite „Aserbaidschan“ eingibt, bekommt man nicht nur Titel in denen das Wort vorkommt, sondern auch Bücher von aserbaidschanischen Autoren, oder Bücher die dort spielen. Das Ergebnis kann ein wenig eingegrenzt werden, ist aber nicht sehr genau.

Wenn man in die Listen-Suche z.B. „Frankreich“ eingibt, bekommt man als Ergebnis Listen wie „Krimis die in Frankreich spielen“ oder „Romane von französischen Autoren“, für ausgefallenere Suchbegriffe – um einmal bei Aserbaidschan zu bleiben – gibt es allerdings oft keine Listen.

Hier der Link: https://www.lovelybooks.de/buecher/listen

Literaturschock

Susanne von Literaturschock hat eine stetig wachsende Datenbank parat, in der Bücher (neben anderen Kriterien) auch nach Handlungsort sortiert werden. Auf ihrer Webseite gibt es eine interaktive Karte mit Fähnchen – je weiter man heranzoomt, desto detaillierter die Einträge. Handlung in Mexiko, Feuerland oder Tasmanien? Einfach ins Land zoomen und sehen was andere Nutzer der Datenbank schon eingetragen haben.

Hier ist der Link: https://literaturschock.de/literatur/handlungsorte

TripFiction

Wer auf englisch lesen kann oder möchte, kann bei TripFiction nach Handlungsorten suchen und sich passende Bücher anzeigen lassen. Die Datenbank ist nicht umwerfend groß, aber es finden sich viele Länder und Städte wenigstens ein- oder zweimal wieder. Benutzer können selbst Bücher eintragen, aber es gibt keine Information ob, wann oder warum sie freigeschaltet werden oder nicht – meine Vorschläge sind bis jetzt noch nicht in der Datenbank aufgenommen worden. Trotzdem eine prima Webseite.

Hier ist der Link: http://www.tripfiction.com

Goodreads

Ebenfalls auf englisch, aber sehr zu empfehlen, ist die Gruppen-Funktion bei Goodreads. In der Gruppe „Around the World in 80 Books“ werden Buchvorschläge gesammelt, sortiert nach Kontinenten und Ländern. Mit über zwölftausend Mitgliedern ist es einer der größten, und definitiv am besten sortierte Gruppe mit diesem Schwerpunkt, mitmachen darf jeder.

Profi-Tipp für deutsche Leser: wenn man einen verlinkten Buchvorschlag anklickt und auf die Buchseite gelangt, kann man unter dem Link „All Editions“ nachsehen, ob es eine deutsche Übersetzung gibt.

Hier der Link zur Gruppe: https://www.goodreads.com/group/show/52937

Viel Spaß bei der Reiseplanung!

Rezension: Necropolis – London and its Dead

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von Catharine Arnold

Warum fährt die U-Bahn der Picadilly Line so verrückte Kurven zwischen Knightsbridge und South Kensington?

Warum tragen wir in Trauer die Farbe schwarz?

Warum durfte King James nach dem Tod von Queen Elizabeth I tagelang die Stadt nicht betreten?

Solche und ähnliche Fragen werden in diesem Buch unterhaltsam und anschaulich beantwortet, und alle haben mit Beerdigungen zu tun. Als ehemaliger Friedhofsgärtner habe ich sozusagen ein „berufliches“ Interesse an Friedhöfen, aber auch allgemein und im besonderen interessieren mich Beerdigungen.

Und als jahrelange Wahl-Londonerin interessiert mich die Geschichte der Stadt natürlich auch. London ist so groß, und so alt, dass man eigentlich überall die Vergangenheit gleich unter den Füßen hat – im wahrsten Sinne des Wortes. Von den Hügelgräbern aus der Bronzezeit über die Massengräber der schwarzen Pest bis hin zur Beerdigung von Lady Di führt das Buch fundiert und informativ durch die Geschichte der Toten in London.

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Der Junge, den es nicht gab

Island 1918: Die Spanische Grippe versehrt das Land, Vulkan Katla verdunkelt den Himmel und Island erhält endlich seine Unabhängigkeit.

Zeiten des Aufruhrs und Aufbruchs. Mittendrin Máni Steinn: ohne Eltern, ohne Arbeit und zu allem Übel kann er weder lesen noch schreiben. Schlechte Voraussetzungen für einen jungen Mann in dieser Zeit.

Aber Máni liebt das Kino und findet Rettung bei den Stummfilmen – und bei der schönen Sóla. Auf ihrem Motorrad entführt sie ihn aus der Dunkelheit und zeigt ihm, dass sich der Kampf lohnt, wenn man sich treu bleibt.

Das Knistern in den Sternen

Gerade hat der kleine Junge seine Mutter verloren, da nimmt eine fremde Frau ihren Platz ein, die Stiefmutter.

Während sich sein Vater in seine Arbeit auf der Baustelle stürzt, flieht der Junge mit seinen Zinnsoldaten in eine märchenhafte Parallelwelt.

Geborgenheit findet er nur bei seiner Großmutter, die ihm abenteuerlich-bunte Anekdoten von ihren eigenen Eltern erzählt und ihn so aus der einsamen Düsterkeit seines Alltags befreit.

Dorsche haben traurige Augen

Island – das Land der Märchen und Volkssagen. In 16 Kurzgeschichten lässt die Autorin Islands märchenhafte Landschaft aufleben: einsame Dörfer, von verschneiten Bergen umrahmte Fjorde und moosbedeckte Lavafelder.

Vor diesem Hintergrund entfalten sich berührende Geschichten aus dem isländischen Alltag – Momentaufnahmen, die uns Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt der Menschen dort gewähren und zum Nachdenken anregen.

Die oft melancholisch anmutenden Geschichten handeln von Liebe, Alltagsflucht, Einsamkeit, Familie und Heimweh, Begegnungen zwischen Deutschen und Isländern oder solchen, die sich als ein bisschen von beidem verstehen.

Wo Elfen noch helfen

„We may not have cash, but we’ve got ash!“, schrieben sich die Isländer angesichts Staatspleite und Vulkanausbruch auf die Fahnen und wählten einen Berufskomiker zum Bürgermeister von Reykjavik.

Was macht dieses Land aus, in dem die Telefonbücher nach Vornamen sortiert sind und man im Winter die Bürgersteige beheizt, wo man im Schnellimbiss Schafskopf bestellen und der Welt einziges Penismuseum besuchen kann?

Die Journalistin Andrea Walter hat sich auf Entdeckungsreise begeben und festgestellt: In Island ist das Leben so, wie wir es uns wünschen!

Alles ganz Isi

Sie essen Blutwursttorten und vergammelten Hai, wählen einen Komiker zum Bürgermeister, stricken wollene Ganzkörperkleider und ihre bevorzugten Treffpunkte sind 40 Grad heiße Quellen. Zugegeben: Isländer sind ein wenig merkwürdig, aber auch liebenswert. Und man kann einiges von ihnen lernen. Schließlich sind sie Lebenskünstler und trauen sich, verrückte Ideen auszuprobieren.

Alva Gehrmann erzählt vom Alltag auf der einsamen Insel im Nordatlantik, der alles ist, nur nicht langweilig. Sie zeigt, wie sich Tatendrang und Kreativität ganz leicht im eigenen Leben umsetzen lassen – im Beruf, in der Familie, in der Liebe und beim Überwinden von großen oder kleinen Krisen.

Liebe Isländer

Mehr Island geht nicht! Mitten im tiefsten Winter beschließt ein junger Reykjavíker, seinem Leben eine neue Richtung zu geben – sich vom Club Kaffibarinn zu verabschieden, einen Jeep zu kaufen und sich trotz härtester Minusgrade ganz allein zu einer zweimonatigen Rundreise um Island aufzumachen.

Er will seine Heimat, deren Einwohner und nicht zuletzt sich selbst kennenlernen. Das Ergebnis ist zugleich unterhaltsamer Reisebericht und kluge Reflexion über Land, Leute und Nation wie auch die mitreißende Beschreibung einer Selbstfindung in einem großartigen literarischen Roadmovie.

»Ich hatte die Nase voll davon, in Cafés zu sitzen und Latte macchiato zu trinken. Also fuhr ich los.«

Frauen Fische Fjorde

April 1949: Auf Islands Bauernhöfen herrscht Frauenmangel. Im Nachkriegsdeutschland kommen auf einen Mann fünf Frauen, viele von Ihnen ohne Zukunftsperspektiven.

Im Laufe dieses Jahres werden etwa 300 Frauen nach Island auswandern und die bislang größte Einwanderergruppe auf Island bilden. Die meisten Frauen assimilieren sich erstaunlich schnell. Sie heiraten Isländer und gründen Familien.

Die heute noch Lebenden erzählen fast alle zum ersten Mal ihre Lebensgeschichte.